Pro Ana Foren

♦ Layout, Aufbau und Forenstruktur
♦ Soziale Struktur

Pro-Ana-Foren werden in der Regel über einen Drittanbieter betrieben. In beinahe allen Fällengreifen die Gründe der Foren auf kostenlose Foren zurück, die auch anonym genutzt werden können. (Obwohl auch für ein Pro Ana Forum die Impressumspflicht gilt.)

Layout, Aufbau und Forenstruktur

Das Layout eines typischen Pro-Ana-Forums orientiert sich meistens an einem der beiden folgenden Typen. Beim einen Typ sind weichen Farben aus dem violett-rosa-Bereich oder babyblau bevorzugt gewählt; Weiß und Rot sind ebenfalls recht häufig anzutreffen. Beim anderen Typus herrschen dunkle Farben und eine düstere Grundstimmung vor.

Für nicht angemeldete Benutzer des Pro-Ana-Forums (also für Gäste) ist das Forum stets nur eingeschränkt zu nutzen: Die eigentlichen, sensiblen Bereiche werden durch ein Passwort geschützt oder sind für Gäste nicht sichtbar. Auch nach der Registrierung muss typischerweise erst eine Freischaltung des Accounts durch den Forengründer erfolgen.

Der Forengründer verfasst Regeln, an die sich die Nutzer des Pro-Ana-Forums halten sollen. Dies wird für gewöhnlich von dem ausdrücklichen Bedauern der Notwednigkeit solcher Regeln begleitet. Die Regeln sollen das Miteinander regeln — doch vielen Forenbetreibern ist das daraus resultierende Hierarchiegefälle äußerst unangenehm.

In den Regeln enthalten oder seperat von ihnen, existiert beinahe immer ein Hinweis darauf, wozu das Forum dient. Allerdings sind die konkreten Absichten in der Regel nicht transparent gestaltet. Einen Hinweis darauf, dass im (geschützten) Forumsbereich Tipps zum Hungern gegeben werden, wird man zum Beispiel nicht finden.

Dagegen finden man häufig eine kurze Erklärung, Nicht-Essgestörte hätten (sinngemäß) nichts in der Forengemeinschaft zu suchen.

Paradoxerweise betonen selbst “harte” Pro-Ana-Foren in ihren Regeln oder anderen, öffentlich einsehbaren Forenbereichen, es handele sich ausdrücklich nicht um ein Pro-Ana-Forum. Stattdessen ist oft von “With Ana” die Rede. Die Pro-Ana-Sympathiesanten argumenteiren, Pro Ana sei auf eine Verherrlichung der Krankheit ausgerichtet (was faktisch korrekt ist) — With Ana hingegen sei der Versuch, mit der Krankheit umzugehen zu lernen, weil sie “momentan” oder “noch nicht” vollständig bewältigt werden könne. Diese Argumentationskette klingt auf den ersten Blick plausibel, hat jedoch deutliche Schwachstellen. Diese werden vor allem dann sichtbar, wenn man bedenkt, dass Pros von einem Disziplinierungswahn befallen sind. Das heißt: Wenn sie diszipliniert hungern können, wenn sie wollen, könnten sie auch gegen ihre Krankheit ankämpfen — wenn sie wollten. Vielen Anorektischen ist die Un-Logik ihres Redens und ihres Handelns nicht bewusst. Dies ist keine Frage der Intelligenz, sondern eine Folge der krankhaften mangelnden Einsichtsfähigkeit in Bezug auf sich selbst und die eigene psychische Störung sowie eine Folge der Wahrnehmungsverzerrung bei Anorexia Nervosa.

Für ein Pro-Ana-Forum bedeutet dies eine Gratwanderung zwischen Kontrolle und Gleichberechtigung, zwischen Harmonie und Befehlen, zwischen Nach-Außen-Kehren und Unter-Sich-Bleiben.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer virtuellen Wartehalle, die zuweilen auch so bezeichnet wird. Dort dürfen sich potentielle Neumitglieder vorstellen und/oder müssen Fragen beantworten. Meist befinden sich in diesem Bereich außerdem Gesprächsfäden, die belanglose Themen zum Gegenstand haben, oder Forenspiele.

Wie die geschützten Bereiche konkret gestaltet sind, kann sehr unterschiedlich sein. In der Regel gibt es einen Bereich für allgemeine psychische Probleme und Nöte, Alltagssorgen und Berichte von aktuellen belastenden Ereignissen. Darüber hinaus können Kategorien bestehen, die der Selbst-Disziplinierung und gezielten Abmagerung dienen: Anleitungen, “Tipps”, “Challenges”, Abmagerungstagebücher und vieles mehr.

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Soziale Struktur

Die soziale Struktur eines Pro-Ana-Forums ist für gewöhnlich so gestaltet, dass die Forenmitglieder gleichberechtigt sind.

Eine Besonderheit stellt das sogenannte Twin-System dar. Ein Twin ist gewissermaßen ein Seelenzwilling. Twins sollen sich gegenseitig unterstützen und Halt geben — jedenfalls vordergründig. Gleichzeitig stehen die Twins jedoch auch im Konkurrenzkampf miteinander. Wer ist dünner? Wer wiegt weniger? Wer hat innerhalb einer bestimmten Zeit am meisten abgenommen?

Solche Fragen sind es auch, die die Challenges bestimmen. Im Rahmen einer Challenge (= “Herausforderung”) wird ein Wettkampf ausgetragen, dessen leidtragender der eigene Körper ist.

Die Konkurrenz ist dabei jedoch so gut wie nie explizit oder vordergründig sichtbar; gerade das macht sie jedoch so effektiv. Twins trösten und motivieren sich gegenseitig und gehen eine sehr intime Bindung miteinander ein. Eine Forengemeinschaft im Sinne von Pro Ana lebt allgemein davon, dass eine enge Beziehung zwischen den Mitgleidern besteht. Die Atmosphäre ist insgesamt als “scheinbar helfend und unterstützend” zu bezeichnen — scheinbar, nicht wirklich.

Durch die verschiedenen Maßnahmen wird ein Gruppendruck aufgebaut, den die Betroffenen kaum durchbrechen können. Dieser soziale Druck “zwingt” sie dazu, immer weiter zu machen und sich nicht von der schädlichen Gemeinschaft trennen zu können.

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» ATTE (Ana Til The End)


Zuletzt aktualisiert am 04.09.2017