ATTE

– “Ana Till The End” als Abgrenzung und Positivierung
– Praktiziertes “Ana Till The End”
– Körperliche Folgen

Die Abkürzung ATTE steht für “Ana Till The End”. Es handelt sich dabei um eine Form von Pro Ana, bei der bewusst und erklärtermaßen das Verhungern angestrebt wird.

“Ana Till The End” als Abgrenzung und Positivierung

Die Bezeichnung ATTE ist ein reiner Euphemismus: Durch sie wird der Prozess und das angestrebte Ziel (Tod durch Verhungern) verherrlicht und zu einer “Vollendung” stilisiert. Diese Vollendung ist eng an die Perfektion bzw. den Wunsch nach Perfektion geknüpft, der/dem sich anorektische Personen in der Regel hingeben.

Die meisten Pro-Ana-Gruppen und -Personen distanzieren sich ausdrücklich von ATTE. Doch was bedeutet das in der Praxis? Interessanterweise lässt sich über solche Stellungnahmen hinaus (“Ich lehne ATTE ab”) kein Hinweis darauf finden, dass ATTE auch in Taten abgelehnt wird, und nicht nur in Worten. Oder anders ausgedrückt: In der Pro-Szene wird die Bezeichnung ATTE oft ausschließlich dazu verwendet, um “gutes” Pro Ana von “bösem” Magerwahn zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist jedoch faktisch inkorrekt. Der Versuch der Differenzierung entspringt den krankheitsbedingten Wahrnehmungsverzerrungen der Betroffenen. Sie sind zudem in der Regel nicht in der Lage, diese Verzerrungen als solche zu erkennen und zu identifizieren. Auch dies ist Ausdruck ihrer psychischen Störung.

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Praktiziertes “Ana Till The End”

In selteneren Fällen wird ATTE nicht nur zur Abgrenzung verwendet und um Pro Ana ohne ATTE als positiv darzustellen, sondern es wird auch tatsächlich praktiziert.

Wie Suizidankündigungen, so sind auch ATTE-Erklärungen grundsätzlich ernst zu nehmen. Hinter solchen Absichtserklärungen steckt immer ein wahrer Kern, selbst dann, wenn die Ankündigung an sich nicht wortwörtlich gemeint ist. Man muss jedoch davon ausgehen, dass ATTE-Erklärungen (und Suizidankündigungen) grundsätzlich so gemeint sind, wie sie geäußert werden.

Viele Anorexie-Erkrankte setzen sich einen bestimmten BMI, den sie erreichen wollen, als Ziel oder Zwischenziel. Dieser BMI spiegelt grundsätzlich deutliches Untergewicht wider. Oft wird als Wunschgewicht ein BMI von 14 bis 16 angegeben. Zum Vergleich: Der BMI eines normalgewichtigen Menschen liegt bei 19–25 (Leistungssportler liegen darüber). Tatsächlich angestrebt wird in der Regel jedoch noch deutlich weniger Gewicht.

Bei praktiziertem ATTE fehlt eine Angabe des endgültigen Ziels. Der Wunsch-BMI wird dabei lediglich als Zwischenziel angesehen, dass es stückweise zu unterschreiten gilt. Ziel ist einzig und allein der Tod, der bei länger anhaltendem Untergewicht auch eintritt. Eine ATTE-Erklärung ist deshalb mit einer Suizidankündigung gleichzusetzen und sollte auch so behandelt werden (siehe oben).

Die Betroffenen verfolgen ATTE nicht zum Spaß. Sie leiden unter ihrer aktuellen Lebenssituation und wollen diesen Zustand nicht auf Dauer hinnehmen.

Pro Ana und insbesondere Ana Till The End sind jedoch auch versteckte Hilferufe. Obwohl sich die Betroffenen paradoxerweise oft gegen Hilfe sperren, wollen sie im Grunde genommen genau diese Hilfe. Bzw.: Sie wollen eine Form von Hilfe. Etwas in ihrem Leben läuft nicht gut, sie leiden, sie haben (psychische) Schmerzen, fühlen sich allein, isoliert und im Stich gelassen.

ATTE ist kein Spiel. ATTE ist kein Lebensstil. ATTE ist kein Lebensgefühl, keine Modeerscheinung und auch kein Verhalten, um sich wichtig zu machen.

ATTE ist keine freie Entscheidung, sondern Folge einer Krankheit.

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Körperliche Folgen

Anorexie im Allgemeinen und Pro Ana und ATTE im Besonderen sind mit schweren körperlichen Folgen verbunden.

Schon nach relativ kurzer Zeit kommt es zu einer verringerten Stoffwechselrate des Körpers. Also Folge hiervor treten Kreislaufschwäche (verstärkt durch ebenfalls auftretende Anämie), Ödeme und eine Verlangsamung des Herzschlages auf (die zum Tod führen kann). Eine sehr unangenehme Konsequenz ist außerdem zittern oder frieren aufgrund von niedrigerer Körpertemeratur.

Durch das Hungern kommt es zum Mangel an Nährstoffen. Eine akute Gefahr stellt vor allem der Kaliummangel dar: Dieser kann zum Herzstillstand und damit zum Tod führen. Die Gefahr durch Kaliummangel ist nicht nur bei starkem Untergewicht von Bedeutung: Selbst Normalgewichtige können davon betroffen sein (zum Beispiel im Falle von Bulimie oder bei beginnender Anorexie).

Bei extremem Untergewicht ist neben der kaum noch vorhandenen physischen Leistungsfähigkeit das Immunsystem die größte Schwachstelle des Körpers: Durch die starke, lang anhaltende Schwächung können selbst leichte Infektionskrankheiten tödlich enden.

Hormonelle Dysregulationen führen zum Ausbleiben der Menstruation und zu sexuelle Störungen. Außerdem können vorübergehende oder dauerhafte Unfruchtbarkeit die Folge sein. Die hormonellen Abweichungen bei Untergewicht führen zudem zu einem erhöhten Risiko für Osteoporose, also Knochenschwund. Osteoporose wiederum führt zu einer höheren Anfälligkeit für Knochenbrüche und Frakturen, die Schmerzen verursachen.

Von dem gestörten Essverhalten ist unmittelbar das Verdauungssystem betroffen: Verstopfungen und rasches, unangenehmes Völlegefühl (nach Aufnahme von geringen Nahrungsmengen) sind häufig.

Schwere Nierenschäden können als Folge von Flüssigkeitsmangel und/oder Erbrechen zustanden kommen. Zudem können Organe unsgesamt “schrumpfen”, Nerven können geschädigt werden und weitere negative körperliche Folgen können durch erhöhte Cholesterinwerte entstehen.

Insbesondere bei länger andauerndem Untergewicht kann es zum Auftreten der sogenannten Lanugobehaarung kommen — diese tritt eigentlich nur während der Entwicklung des Menschen im Mutterleib auf und hat die Funktion, die Haut des Kindes zu schützen. Lanugobehaarung geht mit der Produktion der “Käseschmiere” einher. Gleichzeitig kann es jedoch zum Ausfall der Kopfbehaarung und sehr trockener Haut kommen.

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