Ana-Coach

Pro-Ana-Coaches bieten ihre „Dienstleistung“ vor allem jungen Mädchen an, die verzweifelt abnehmen wollen. Häufig handelt es sich bei diesen Coaches um Pädophile oder andere Menschen, die durch das Abhängigkeitsverhältnis egoistische Motive ausleben wollen. Viele Pro-Ana-Coaches verlangen von den (oft minderjährigen) Betroffenen sexuelle Fotos und Videos. Einige erpressen die Betroffenen anschließend oder wollen ihre Opfer zu einem persönlichen Treffen überreden, um sie in eine Falle zu locken. Pädophile können sowohl männlich als auch weiblich sein, auch wenn wir im Folgenden die männliche Form verwenden, weil die einheitliche Schreibweise besser lesbar ist.

♦ Was ist ein Ana-Coach?
♦ Was verspricht ein Ana-Coach?
♦ Warum lassen sich Menschen mit Essproblemen auf Ana-Coaches ein?
♦ „Ich suche einen strengen Ana-Coach!“ – Wenn der Druck zum Abnehmen zu groß ist
♦ Gibt es seriöse Ana-Coaches?
♦ Fazit
♦ Erfahrungsbericht

Was ist ein Ana-Coach?

Ana Coaches möchten anderen Personen beibringen, wie sie magersüchtig werden können. Sie gehen davon aus, Anorexie sei ein Lebensstil und erlernbar. Ana-Coaches vermitteln eine Ideologie, die für Pro Ana charakteristisch ist: Sie verleugnen oder verharmlosen körperliche und psychische Folgeschäden. Ana-Coaches suggerieren oft, diese Schäden seien nur eine Folge von „falsch ausgeführter“ Magersucht und es gäbe einen „sicheren Weg“, wie man „Magersucht praktizieren“ könne.

Einige Ana-Coaches behaupten, diesen vermeintlich „sicheren Weg“ zu kennen. Andere appellieren an den Stolz und die Verzweiflung von Anas und unterstellen ihnen Schwäche, mangelnden Willen und fehlende Disziplin, wenn sie nicht bereit seien, die Schädigungen in Kauf zu nehmen. Da Essgestörte ein niedriges Selbstwertgefühl haben und häufig sehr ehrgeizig sind, treffen sie solche Aussagen stärker als einen psychisch gesunden Menschen.

Wir unterscheiden drei Typen von Ana-Coaches.

  1. Ana-Coaching von Pädophilen oder anderen Personen, die eine hilflose Person suchen, die bereit ist alles zu tun.
  2. Ana-Coaching von Menschen, die selbst unter einer Essstörung leiden.
  3. Ana-Coaching von möglicherweise echten Trainern, die den Begriff missverstehen bzw. das Wort „Ana“ als Clickbait-Köder nutzen, um eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen.

Die meisten Ana-Coaches lassen sich der ersten Gruppe (Pädophile/Opfersuchende) und der zweiten Gruppe (Essgestörte) zuordnen. Die dritte Gruppe ist ausgesprochen selten.

1. Pädophile und andere Personen, die nach Opfern suchen

Pädophile und andere Opfersuchende aus der ersten Gruppe können unterschiedlich vorgehen. Einige treten von Anfang an sehr aggressiv auf, doch sie verkaufen dieses Verhalten als besondere Strenge und als vermeintlichen Beweis dafür, wie gut sie den Betroffenen helfen könnten. Andere Opfersuchende gewinnen allmählich das Vertrauen von vulnerablen Personen. In beiden Fällen handelt es sich um gezielte Manipulationen. Im Vordergrund steht das Bedürfnis, Macht über Schwächere auszuüben und sie zu kontrollieren.

Wie weit der Missbrauch geht, den solche Ana-Coaches verüben, ist unterschiedlich. Häufig verlangen sie Bilder, auf denen die Abnehmwilligen unbekleidet oder in Unterwäsche zu sehen sind. Ana-Coaches begründen dies oft damit, dass sie den Körper „begutachten“ wollen, um „besser helfen“ zu können. In Wahrheit geht es ihnen jedoch darum, die Betroffenen noch hilfloser zu machen und sich selbst sexuell zu befriedigen. Häufig verlangen diese Ana-Coaches auch explizite sexuelle Bilder – auch und insbesondere von Minderjährigen. Pädophilen ist in der Regel bewusst, dass sie sich dadurch strafbar machen.

Eine bestimmte Art von Pädophilen sucht gezielt nach volljährigen Magersüchtigen, die aufgrund einer langjährigen Essstörung einen kindlich wirkenden Körperbau besitzen. Darüber hinaus gibt es Menschen, die nicht pädophil sind, aber einen Magersuchts-Fetisch ausleben. Wieder andere sehen in den psychisch kranken Personen eine leichte Beute.

Selbstverständlich sind Überschneidungen zwischen diesen Motiven möglich.

2. Missionierende oder „helfende“ Essgestörte

Einige Personen, die sich als Ana-Coach bezeichnen, leiden selbst unter einer Essstörung und/oder sie sind überzeugte Pro-Ana-Anhänger, für die Anorexie ein Lifestyle ist. Dieser Personenkreis scheint sehr heterogen zu sein.

Einige dieser Ana-Coaches aus der zweiten Gruppe sind der Überzeugung, dass jeder dünn sein möchte und dünn sein sollte. Sie sehen es gewissermaßen als ihre Pflicht an, andere vom vermeintlichen Lebensstil Pro Ana zu überzeugen. Ihre Motivation ist mit einer religiösen Missionierung vergleichbar. Andere Ana-Coaches helfen aus ihrer Sicht tatsächlich anderen. Sie verdrängen dabei jedoch den Schaden, den sie damit anrichten.

Wieder andere Ana-Coaches, die selbst eine Essstörung haben, leben über das Coaching ihre eigene Essstörung aus. Ein solcher Ana-Coach kann dabei jedes Gewicht haben – von starkem Untergewicht bis zu schwerer Adipositas ist alles möglich. Einige nutzen das Ana-Coaching, um über die Trainees indirekt eine Gewichtsreduktion zu erleben, die sie selbst nicht erreichen oder auch gar nicht erreichen wollen. Hingegen geht es anderen eher darum, ein neues Feld zu finden, in dem sie ihren Kontrollzwang ausleben können. Diät- und Sportpläne für sich selbst zu erstellen ist ihnen nicht (mehr) genug und ihre eigene Magersucht expandiert gewissermaßen über die eigene Person hinaus. Auch dabei geht es in erster Linie um Macht und Kontrolle.

Diese zweite Form des Ana-Coachings schadet oft sowohl dem Gecoachten als auch dem Coach selbst. Beide werden tiefer in die Essstörung hineingezogen. Ein Ana-Coach, der selbst eine Essstörung hat, betrachtet seinen Trainee häufig als Konkurrenz oder möchte beweisen, dass er als Coach „besser in der Magersucht“ ist und sich seine erhöhte Stellung „verdient“ hat. Dahinter steckt letztlich der Versuch, das eigene Selbstwertgefühl zu steigern.

3. Ana-Coaching als Missverständnis?

Uns sind nur zwei Fälle bekannt, in denen der jeweilige Coach möglicherweise keine zweifelhaften Absichten verfolgte und nicht im wahnähnlichen Sog einer Essstörung gefangen war. Allerdings können wir selbst in diesen beiden Fällen nicht ausschließen, dass hinter den entsprechenden Angeboten nicht doch Ana-Coaches aus der ersten oder zweiten Gruppe stecken. Beide Coaches präsentierten sich intransparent. Angaben über ihre Qualifikation oder Referenzen fehlten und die Coaches widersprachen sich zum Teil selbst.

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Was verspricht ein Ana-Coach?

Verschiedene Versprechen tauchen bei Ana-Coaches immer wieder auf, da diese Verheißungen den Zielen der meisten Magersüchtigen entsprechen. Beispiele dafür sind:

  • Unterstützung beim Abnehmen
  • Hilfe bei Ausreden für Eltern und Freunde (insbesondere bei Minderjährigen)
  • exakte Esspläne und Vorgaben
  • Hilfe, um Essattacken zu vermeiden
  • Bestrafungen, wenn gegen Regeln verstoßen wird oder Ziele nicht erreicht werden

Diese Versprechen dienen dazu, Menschen zu ködern, die radikal abnehmen möchten. Es handelt sich nicht um eine seriöse Vereinbarung zwischen zwei ebenbürtigen Parteien, sondern um ein Abhängigkeitsverhältnis, das die Schwäche des Trainees gezielt ausnutzt. Der Coach missbraucht seine Macht, um egoistische Bedürfnisse zu befriedigen, die oft sexueller Natur sind. Der Trainee wird für gewöhnlich schrittweise immer weiter gedrängt und zu Dingen gezwungen, die er eigentlich nicht möchte. Selbstverständlich ist davon zu Beginn des Coachings-Verhältnisses noch keine Rede.

In aller Deutlichkeit: Das sogenannte Ana-Coaching ist letztlich eine Falle. Der Köder orientiert sich an den Sehnsüchten, die für eine Essstörung typisch sind.

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Warum lassen sich Menschen mit Essproblemen auf Ana-Coaches ein?

Ana-Coaches versprechen jungen Menschen, die ein gestörtes Selbstbild haben, genau das, was sie sich von sich selbst wünschen. Ana-Coaches richten sich vor allem an Jugendliche. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

  • Magersucht beginnt häufig im Jugendalter.
  • Junge Menschen sind für Manipulationen besonders anfällig.
  • Minderjährige Anas haben in der Regel keine Vertrauensperson, an die sie sich wenden können; ihre Eltern unterstützen die Essstörung natürlich nicht. Ana-Coaches drohen oft damit, die Eltern der Betroffenen würden ihr die Essstörung „wegnehmen“ und sie zu einer Therapie zwingen, wenn sie es wagen sollte, den Coach zu verpetzen oder den Kontakt abzubrechen.

Betroffene sollten sich davon nicht einschüchtern lassen. Eine anonyme Beratung bietet zum Beispiel das Kinder- und Jugendtelefon unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 111 0 333 oder die Telefonseelsorge (für alle Altersgruppen), die ebenfalls anonym und kostenlos unter der Nummer 0800 111 0 111 bzw. 0800 111 0 222 erreichbar ist.

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„Ich suche einen strengen Ana-Coach!“ – Wenn der Druck zum Abnehmen zu groß ist

Magersucht ist seltener als andere Essstörungen und nicht jeder, der sich als Pro Ana bezeichnet, leidet unter einer (diagnostizierbaren) Essstörung. Filme und Bücher zeigen oft eine irreführende Darstellung: Ein junges Mädchen beginnt mit dem Wunsch, abnehmen zu wollen, findet ggf. Verbündete (in Pro-Ana-Gruppen, andere Patienten in einer Klinik o.ä.) und nimmt innerhalb kurzer Zeit dramatisch ab. Diese Darstellung kann sehr verlockend wirken.

Die Realität sieht allerdings für viele Betroffene anders aus: Sie bemühen sich abzunehmen und können teilweise auch erste Erfolge verzeichnen. Allerdings wird nur ein Bruchteil der Anas stark untergewichtig. Andere nehmen wieder zur, entwickeln Essattacken oder halten ihr Gewicht. Manche verlieren Gewicht, aber nicht so schnell, wie sie möchten. Dieser Verlauf führt bei vielen Anas zu Frustration und Verzweiflung – doch nicht jeder wendet sich daraufhin von der Verherrlichung von Essstörungen ab.

In ihrer Verzweiflung wünschen sich einige Betroffene einen besonders strengen Ana-Coach oder einen Twin/Buddy, um zum Abnehmen gezwungen zu werden. Die Logik dahinter: „Wenn ich selbst nicht abnehmen kann, kann mich vielleicht jemand dazu zwingen, sodass ich gar keine Wahl mehr habe und nicht meinem Hunger nachgeben kann.”

Ana-Coaches verlangen in der Regel kein Geld. Ihr Lohnt besteht aus dem Machtgefühl sowie eventuellen Bildern/Videos, die sie verlangen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Bilder anschließend weiterverbreitet werden.

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Gibt es seriöse Ana-Coaches?

Kein seriöser Coach, Trainer oder Ernährungsberater wird Menschen dabei unterstützen, magersüchtig zu werden. Wer mit dem Begriff „Ana“ wirbt, ohne ihn zu verstehen, kann in unseren Augen nicht seriös sein – denn ein Coach sollte wissen, was er eigentlich lehren möchte. Obwohl die meisten Pro-Ana-Coaches kein Geld verlangen, zahlen die Opfer einen hohen Preis, indem sie vielfacht missbraucht werden.

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Fazit

Ana-Coaches nutzen die Schwäche ihrer Opfer aus, um sie gezielt für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen. Der Ana-Coach verfolgt dabei in der Regel egoistische Interessen und kann dem Gecoachten ernsthaften Schaden zufügen. Dieser Schaden kann über die Essstörung hinausgehen und Pornografie, körperlichen/sexuellen Missbrauch, Stalking, Erpressung, Drohung und andere Straftaten umfassen.

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Erfahrungsbericht

Nadja Brenneisen schrieb für „Vice“ über ihre Erfahrungen mit Pro-Ana. In ihrem Artikel „Ich habe auf einem Pro-Ana-Blog einen Pädophilen getroffen, der mich in die Magersucht treiben wollte“ (03.06.2015) berichtet sie von ihren Erfahrungen mit einem Ana-Coach.

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Zuletzt aktualisiert am 23.11.2017