Essstörungen

♦ Magersucht (Anorexia nervosa)
♦ Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa)
♦ Binge Eating / Essattacken
♦ Andere Essstörungen

Im ICD-10 sind die Essstörungen den Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren zugeordnet. Hierzu gehören auch die Schlafstörungen, die sexuellen Funktionsstörungen, die psychische oder Verhaltensstörungen im Wochenbett und der Missbrauch von nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen.

Anorexia nervosa (Magersucht)

Anorexia nervosa bzw. Magersucht ist eine Form der Essstörung. Betroffene leiden unter einer gestörten Wahrnehmung und empfinden den eigenen Körper üblicherweise als zu dick – selbst bei starkem Untergewicht. Magersüchtige sind i.d.R. sehr kontrolliert und fixiert in ihrem Bestreben, das Körpergewicht zu reduzieren.1 Normale Grenzwerte, wie beispielsweise der BMI, werden dabei meist unterschritten bzw. für den eigenen Körper nicht als gültig empfunden

Obwohl sich die Bezeichnung „Magersucht“ eingebürgert hat, handelt es sich bei diesem Störungsbild nicht um eine Sucht im klassischen Sinne.

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Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht)

Bulimia nervosa bzw. Ess-Brech-Sucht ist eine Form der Essstörung. Betroffene wünschen sich ein geringeres Körpergewicht und verfolgen diesen Wunsch, indem sie bereits zu sich genommenen Essen wieder erbrechen. Um dies zu erreichen, werden zuweilen Hilfsmittel verwendet, auf die an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden soll. Auch der Gebrauch von Abführmitteln ist häufig. 2,3

Das Äußere von an Bulimie Erkrankten ist im Vergleich zu beispielsweise Magersüchtigen eher unauffällig – BulimikerInnen können auch leicht übergewichtig sein, da dem Körper Nahrung zugeführt wird, selbst wenn diese später wieder erbrochen wird.

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Binge Eating / Essattacken

Die Binge Eating-Störung ist eine Form der Essstörung. Betroffene nehmen bei Essattacken große Mengen Nahrung zu sich und behalten diese auch bei sich. Die Nahrungsaufnahme dient dabei nicht in erster Linie der Sättigung und geht weit darüber hinaus.2

Obwohl viele Betroffene aufgrund ihres Essverhaltens an Übergewicht oder Adipositas leiden, ist dies nicht immer der Fall. Umgekehrt sind Übergewicht oder Adipositas nicht immer eine Folge bzw. Begleiterscheinung der Binge-Eating-Störung.4

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Andere Essstörungen

Darüber hinaus existieren zahlreiche weitere Essstörungen: spezifizierte und unspezifizierte.

Zu den sonstigen spezifizierten Essstörungen gehört unter anderem Pica. Dabei essen Betroffene Dinge, die eigentlich nicht verzehrbar sind (z.B. Sand, Metall, Steine, Plastik) oder die kulturell aus Ekel in der Regel nicht verzehrt werden (z.B. lebende Insekten). Bei der restriktiv-vermeidenden Essstörung schränken Betroffene ihre Nahrungsmittelauswahl stark ein und ernähren sich häufig nur noch von einigen wenigen Gerichten oder Lebensmitteln. Dies sind nur zwei Beispiele von vielen.

Essstörungen können jedoch auch unspezifisch sein und müssen nicht in eine dieser Kategorien passen. Auch chronisches Diäthalten kann unter bestimmten Umständen eine Essstörung darstellen, wenn es zu subjektivem Leiden und zu deutlichen Einschränkungen (im Beruf, im Familienleben, …) führt.

» Normal oder gestört?

Quellen

1 BZgA (Hg.) (2010). EssstörungenLeitfaden für Eltern, Angehörige und Lehrkräfte. S. 16 f. → PDF-Ausgabe
2 BZgA (Hg.) (2010). EssstörungenLeitfaden für Eltern, Angehörige und Lehrkräfte. S. 18 → PDF-Ausgabe
3 WHO (Hg.). ICD-10: F50.2
4 BZgA (Hg.). Ess-Störungen – Arbeit mit Selbsthilfegruppen. PDF-Ausgabe